EMV-Test

Der EMV-Test ist eine technische Prüfung zur Bewertung der elektromagnetischen Verträglichkeit eines elektrischen oder elektronischen Produkts. EMV steht für elektromagnetische Verträglichkeit und beschreibt vereinfacht die Fähigkeit eines Geräts, in seiner elektromagnetischen Umgebung bestimmungsgemäß zu funktionieren, ohne dabei selbst unzulässige elektromagnetische Störungen zu verursachen.

Für zahlreiche elektrische und elektronische Produkte innerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) ist die Bewertung der elektromagnetischen Verträglichkeit Bestandteil der EAC-Konformitätsbewertung. Die konkreten Prüf- und Nachweisanforderungen richten sich dabei nach dem Produkt, den anwendbaren Technischen Reglements und dem vorgesehenen Konformitätsbewertungsverfahren.

Eine zentrale regulatorische Grundlage bildet das Technische Reglement TR ZU 020/2011 „Elektromagnetische Verträglichkeit technischer Mittel“. Es legt grundlegende Anforderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit der von seinem Anwendungsbereich erfassten technischen Mittel fest.

Bei vielen elektrischen Produkten ist neben TR ZU 020/2011 zusätzlich das Technische Reglement TR ZU 004/2011 über die Sicherheit von Niederspannungsausrüstung zu berücksichtigen. Welche Technischen Reglements tatsächlich anzuwenden sind, muss anhand der konkreten Produktausführung und des jeweiligen Geltungsbereichs bestimmt werden.

Im Rahmen der EMV-Prüfung werden insbesondere zwei grundlegende Bereiche betrachtet:

  • Störaussendung (Emission): Es wird untersucht, welche elektromagnetischen Störungen das Produkt verursacht und ob die hierfür geltenden Grenzwerte eingehalten werden.
  • Störfestigkeit (Immunität): Es wird geprüft, ob das Produkt gegenüber den vorgesehenen elektromagnetischen Störeinflüssen ausreichend widerstandsfähig ist und weiterhin bestimmungsgemäß funktioniert.

Abhängig von Produkt und anzuwendenden Normen können unterschiedliche Prüfverfahren erforderlich sein. Dazu können beispielsweise Prüfungen leitungsgebundener und gestrahlter Störaussendungen sowie Prüfungen der Störfestigkeit gegenüber elektrostatischen Entladungen, elektromagnetischen Feldern oder leitungsgebundenen Störgrößen gehören.

Welche konkreten Prüfmethoden, Prüfpegel und Grenzwerte anzuwenden sind, richtet sich nach den für das jeweilige Produkt relevanten Normen und regulatorischen Anforderungen. Eine pauschale Festlegung eines einheitlichen EMV-Prüfprogramms für alle elektrischen Produkte ist daher nicht möglich.

Für die Prüfung müssen geeignete und eindeutig identifizierbare Prüfmuster bereitgestellt werden. Die technische Ausführung des geprüften Produkts sollte der Ausführung entsprechen, für die anschließend die Konformität bestätigt werden soll. Änderungen an EMV-relevanten Komponenten, Schaltungen oder konstruktiven Merkmalen können Auswirkungen auf die Verwendbarkeit vorhandener Prüfergebnisse haben.

Die Ergebnisse der durchgeführten Prüfungen werden in Prüfprotokollen beziehungsweise Prüfberichten dokumentiert.. Diese enthalten unter anderem Angaben zum Prüfmuster, zu den angewandten Prüfmethoden, Prüfbedingungen und Messergebnissen und bilden einen wichtigen Bestandteil der Nachweise für das jeweilige Konformitätsbewertungsverfahren.

Die Prüfberichte stehen dabei in engem Zusammenhang mit der Technischen Dokumentation. Produktbezeichnung, Typ beziehungsweise Modell, technische Eigenschaften und weitere Identifikationsmerkmale müssen zwischen Prüfmuster, Prüfbericht und den übrigen Zertifizierungsunterlagen konsistent sein.

Abhängig von Produktgruppe und den Vorgaben des TR ZU 020/2011 kann die Konformitätsbestätigung in Form eines EAC-Zertifikats oder einer EAC-Deklaration erfolgen. Welches Verfahren anzuwenden ist, sollte deshalb bereits vor Beginn der Prüfungen geklärt werden.

Von EMV-Anforderungen können beispielsweise elektrische Maschinen, Steuerungs- und Automatisierungstechnik, Netzteile, Haushaltsgeräte, elektronische Geräte sowie zahlreiche weitere technische Mittel betroffen sein. Entscheidend ist jedoch stets der konkrete Anwendungsbereich des Technischen Reglements.

Typische Schwierigkeiten bei EMV-Prüfungen entstehen beispielsweise durch:

  • die Auswahl ungeeigneter Prüfmethoden oder Normen,
  • nicht repräsentative Prüfmuster,
  • unvollständige technische Produktinformationen,
  • Abweichungen zwischen geprüftem Muster und Serienprodukt,
  • Änderungen an EMV-relevanten Komponenten nach der Prüfung,
  • sowie nicht ausreichend dokumentierte Prüfergebnisse.

Eine frühzeitige Abstimmung der regulatorischen Anforderungen und des erforderlichen Prüfprogramms kann deshalb Wiederholungsprüfungen, zusätzliche Kosten und Verzögerungen im Zertifizierungsverfahren vermeiden.

Wir unterstützen Hersteller und Exporteure bei der Organisation von EMV-Prüfungen und der EAC-Konformitätsbewertung nach TR ZU 020/2011. Dazu gehören die regulatorische Produktbewertung, Abstimmung des Prüfprogramms, Auswahl geeigneter Prüfmuster, Vorbereitung der erforderlichen technischen Unterlagen sowie die Koordination mit akkreditierten Prüflaboren und Zertifizierungsstellen.