Niederspannungsgeräte
Niederspannungsgeräte sind elektrische Betriebsmittel, die für die Verwendung bei Nennspannungen von 50 bis 1000 Volt Wechselstrom oder 75 bis 1500 Volt Gleichstrom ausgelegt sind. Für zahlreiche Produkte innerhalb dieses Spannungsbereichs gelten bei der Einfuhr und dem Inverkehrbringen in der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) besondere Anforderungen an elektrische Sicherheit und EAC-Konformität.
Die Eurasische Wirtschaftsunion umfasst Russland, Belarus, Kasachstan, Armenien und Kirgisistan. Das zentrale Technische Reglement für die Sicherheit von Niederspannungsausrüstung ist TR ZU 004/2011 – Über die Sicherheit von Niederspannungsausrüstung.
TR ZU 004/2011 legt grundlegende Sicherheitsanforderungen für die von seinem Anwendungsbereich erfassten elektrischen Betriebsmittel fest. Die elektrische Spannung allein entscheidet jedoch nicht darüber, ob ein Produkt dem Reglement unterliegt. Zusätzlich müssen der Anwendungsbereich des TR ZU 004/2011, die konkrete Produktausführung, der Verwendungszweck und gegebenenfalls bestehende Ausnahmen berücksichtigt werden.
Zu den Produkten, für die TR ZU 004/2011 je nach Ausführung und Verwendungszweck relevant sein kann, gehören beispielsweise:
- elektrische Haushalts- und ähnliche Geräte,
- Netzteile und Stromversorgungsgeräte,
- elektrische Steuerungs- und Schaltgeräte,
- Beleuchtungstechnik,
- elektrische Komponenten und Betriebsmittel,
- bestimmte Informations- und Kommunikationstechnik,
- sowie zahlreiche elektrische Geräte für industrielle Anwendungen.
Nicht sämtliche elektrischen Produkte innerhalb der genannten Spannungsbereiche werden automatisch nach TR ZU 004/2011 bewertet. Für bestimmte Produktgruppen gelten besondere Technische Reglements oder Ausnahmen. Deshalb sollte vor Beginn einer EAC-Zertifizierung oder EAC-Konformitätsbewertung zunächst geprüft werden, welche regulatorischen Anforderungen auf das konkrete Produkt anzuwenden sind.
Neben der elektrischen Sicherheit ist bei vielen Niederspannungsgeräten die elektromagnetische Verträglichkeit von Bedeutung. Deshalb kann zusätzlich TR ZU 020/2011 – Elektromagnetische Verträglichkeit technischer Betriebsmittel anzuwenden sein.
Ein elektrisches Produkt kann somit gleichzeitig mehreren Technischen Reglements unterliegen. Abhängig von Produkttyp und Ausführung können beispielsweise folgende Anforderungen relevant sein:
- elektrische Sicherheit nach TR ZU 004/2011,
- elektromagnetische Verträglichkeit nach TR ZU 020/2011,
- Beschränkung gefährlicher Stoffe nach TR EAWU 037/2016,
- sowie bei Maschinen mit elektrischer Ausrüstung gegebenenfalls Anforderungen nach TR ZU 010/2011.
Welche Kombination von Technischen Reglements anzuwenden ist, muss für das konkrete Produkt bestimmt werden. Die Einstufung allein als elektrisches Gerät reicht hierfür nicht aus.
Im Rahmen der Konformitätsbewertung können abhängig vom Produkt und den anwendbaren Anforderungen unterschiedliche Sicherheitsaspekte geprüft werden. Hierzu können beispielsweise gehören:
- Schutz gegen elektrischen Schlag,
- Isolations- und Spannungsfestigkeit,
- Schutz vor gefährlichen Temperaturen und Überhitzung,
- mechanische Sicherheit,
- Schutz gegen Brandgefahren,
- Schutz gegen Gefährdungen durch elektrische Anschlüsse und Leitungen,
- Schutzmaßnahmen bei vorhersehbaren Betriebszuständen,
- sowie weitere produktspezifische Sicherheitsanforderungen.
Unterliegt das Produkt zusätzlich TR ZU 020/2011, müssen außerdem die relevanten Anforderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit berücksichtigt werden. Hierzu können Prüfungen der elektromagnetischen Emissionen sowie der Störfestigkeit gegenüber elektromagnetischen Einflüssen gehören.
Welche Prüfmethoden anzuwenden sind, richtet sich nach dem jeweiligen Produkt, den Technischen Reglements und den einschlägigen Normen. Abhängig vom vorgesehenen Konformitätsbewertungsverfahren können Produktprüfungen und entsprechende Prüfprotokolle erforderlich sein.
Die erforderliche Form der Konformitätsbestätigung richtet sich nach der konkreten Produktgruppe und den Vorgaben des jeweiligen Technischen Reglements. Je nach Produkt kann eine EAC-Zertifizierung oder eine EAC-Deklaration erforderlich sein. Deshalb sollte die Form der Konformitätsbewertung nicht allein anhand des Spannungsbereichs bestimmt werden.
Bei einer EAC-Zertifizierung von Serienprodukten können abhängig vom vorgesehenen Zertifizierungsschema neben Produktprüfungen auch eine Bewertung der Produktionsbedingungen und spätere Inspektionskontrollen vorgesehen sein.
Ein wesentlicher Bestandteil des Konformitätsbewertungsverfahrens ist die Technische Dokumentation. Abhängig vom Produkt und Verfahren können hierzu beispielsweise gehören:
- Produkt- und Funktionsbeschreibung,
- technische Daten und Spezifikationen,
- elektrische Schaltpläne,
- Zeichnungen und Konstruktionsunterlagen,
- Angaben zu sicherheitsrelevanten Komponenten,
- Prüfberichte und Prüfprotokolle,
- Risiko- und Sicherheitsbewertungen, soweit erforderlich,
- sowie die Betriebsanleitung und weitere Benutzerinformationen.
Die Betriebsanleitung sollte insbesondere die für eine sichere Installation, Inbetriebnahme, Verwendung und Wartung erforderlichen Informationen enthalten. Technische Daten, Sicherheitsinformationen und Produktbezeichnungen müssen dabei mit dem tatsächlich bewerteten Produkt und den übrigen Zertifizierungsunterlagen übereinstimmen.
Nach erfolgreicher Durchführung des vorgeschriebenen Konformitätsbewertungsverfahrens sind außerdem die Anforderungen an die EAC-Kennzeichnung und die weiteren vorgeschriebenen Produktinformationen zu berücksichtigen.
Besondere Aufmerksamkeit sollte der Produktklassifizierung gelten. Elektrische Produkte können sich äußerlich ähneln, regulatorisch jedoch unterschiedlichen Produktgruppen oder Konformitätsbewertungsverfahren zugeordnet werden. Neben den technischen Eigenschaften können dabei insbesondere Verwendungszweck, Nennspannung, Funktion und Produktkategorie relevant sein.
Typische Schwierigkeiten bei der EAC-Konformitätsbewertung von Niederspannungsgeräten entstehen beispielsweise durch:
- unzutreffende Zuordnung der anwendbaren Technischen Reglements,
- fehlende Berücksichtigung von TR ZU 020/2011 oder TR EAWU 037/2016,
- ungeeignete oder unvollständige Produktprüfungen,
- Abweichungen zwischen Prüfmuster und Serienprodukt,
- unvollständige Technische Dokumentation,
- inkonsistente technische Daten oder Produktbezeichnungen,
- unzureichende Sicherheits- und Benutzerinformationen,
- sowie fehlerhafte oder unvollständige EAC-Kennzeichnung.
Eine frühzeitige regulatorische Produktanalyse kann dazu beitragen, die anwendbaren Technischen Reglements, die erforderliche Form der Konformitätsbewertung und die benötigten Prüfungen bereits vor Beginn des Zertifizierungsverfahrens festzulegen.
Ausgewählte Technische Reglements und weitere Unterlagen für die EAC-Zertifizierung finden Sie außerdem in unserem Download-Bereich.
Wir unterstützen Hersteller und Exporteure bei der EAC-Zertifizierung und EAC-Konformitätsbewertung von Niederspannungsgeräten für den EAWU-Markt. Dazu gehören die Produktklassifizierung, die Bestimmung der anwendbaren Technischen Reglements, die Vorbereitung der Technischen Dokumentation, die Koordination erforderlicher Sicherheits- und EMV-Prüfungen sowie die Abstimmung mit akkreditierten Zertifizierungsstellen und Prüflaboren.
