Zertifizierungsschema
Ein Zertifizierungsschema beschreibt die festgelegte Vorgehensweise zur Durchführung einer Konformitätsbewertung nach den Technischen Reglements der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU). Es definiert, welche Prüfungen, Nachweise, Dokumentationen, Audits und Überwachungsmaßnahmen für eine bestimmte Produktgruppe erforderlich sind, um die Konformität eines Produkts mit den geltenden regulatorischen Anforderungen nachzuweisen.
Innerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion – bestehend aus Russland, Belarus, Kasachstan, Armenien und Kirgisistan – gelten einheitliche Technische Reglements (TR EAWU / TR ZU). Diese Reglements enthalten verschiedene Zertifizierungs- und Deklarationsschemata, die abhängig von Produktart, Risikoklasse, Produktionsform und Anwendungsbereich angewendet werden.
Das Zertifizierungsschema legt fest:
- welche Konformitätsbewertungsverfahren zulässig sind,
- welche Prüfungen durchgeführt werden müssen,
- welche technischen Unterlagen einzureichen sind,
- ob ein Werksaudit erforderlich ist,
- ob Produktionsüberwachungen stattfinden,
- welche Rolle Prüflabore und Zertifizierungsstellen übernehmen,
- sowie welche Nachweise für die Ausstellung eines EAC-Zertifikats oder einer EAC-Deklaration erforderlich sind.
Die Auswahl des richtigen Zertifizierungsschemas gehört zu den wichtigsten Schritten eines EAC-Zertifizierungsprojekts. Eine falsche Zuordnung kann zu unnötigen Prüfungen, zusätzlichen Kosten, Verzögerungen oder regulatorischen Beanstandungen führen.
Je nach Technischem Reglement kommen unterschiedliche Zertifizierungsschemata zur Anwendung. Dabei wird häufig zwischen Serienproduktion, Chargenzertifizierung und Einzelstückzertifizierung unterschieden.
Typische Zertifizierungsschemata umfassen beispielsweise:
- Dokumentenprüfung,
- Produktprüfung,
- Baumusterprüfung,
- Werksaudit,
- Fabrikationskontrolle,
- Produktionsüberwachung,
- Inspektionskontrolle,
- sowie regelmäßige Nachbewertungen während der Gültigkeitsdauer eines Zertifikats.
Bei Produkten mit erhöhtem Sicherheitsrisiko verlangen die Technischen Reglements häufig umfangreichere Zertifizierungsschemata. Dies betrifft insbesondere Maschinen, Druckgeräte, explosionsgeschützte Produkte, elektrische Betriebsmittel und persönliche Schutzausrüstungen.
Für Serienprodukte wird häufig ein Zertifizierungsschema angewendet, das neben der Produktprüfung auch Werksaudits und regelmäßige Inspektionskontrollen umfasst. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Konformität nicht nur für ein einzelnes Muster, sondern für die gesamte laufende Produktion gewährleistet bleibt.
Bei Chargenzertifizierungen konzentriert sich das Zertifizierungsschema dagegen meist auf die Bewertung einer konkreten Lieferung oder Produktionscharge. Die Anforderungen an Audits und Produktionsüberwachungen können dabei geringer ausfallen.
Ein wesentlicher Bestandteil jedes Zertifizierungsschemas ist die Technische Dokumentation. Dazu gehören unter anderem:
- technische Beschreibungen,
- Betriebsanleitungen,
- Technische Pässe,
- Prüfberichte,
- Sicherheitsnachweise,
- Risikoanalysen,
- Werkstoffnachweise,
- sowie weitere produktspezifische Dokumente.
Die konkrete Zusammensetzung der Unterlagen hängt vom jeweiligen Technischen Reglement und dem gewählten Zertifizierungsschema ab.
Für Hersteller und Exporteure ist die korrekte Auswahl des Zertifizierungsschemas entscheidend für einen effizienten Zertifizierungsprozess und einen rechtssicheren Marktzugang innerhalb der EAWU. Eine frühzeitige regulatorische Bewertung reduziert Prüfaufwand, Kosten und Projektrisiken erheblich.
Wir unterstützen Unternehmen bei der Auswahl geeigneter Zertifizierungsschemata, der Produktklassifizierung, der Erstellung Technischer Dokumentationen sowie bei der vollständigen Durchführung von EAC-Zertifizierungs- und Deklarationsverfahren innerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion.
