Produktklassifizierung

Die Produktklassifizierung bezeichnet die regulatorische Einordnung eines Produkts zur Bestimmung der innerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) anwendbaren Vorschriften und Konformitätsbewertungsverfahren. Sie bildet eine wesentliche Grundlage für die EAC-Zertifizierung und EAC-Deklaration. Anhand der technischen Eigenschaften und des Verwendungszwecks wird festgestellt, welche Technischen Reglements anzuwenden sind und welcher Konformitätsnachweis erforderlich ist.

Die Produktklassifizierung dient insbesondere dazu:

Für die regulatorische Einordnung werden abhängig vom Produkt insbesondere folgende Merkmale berücksichtigt:

  • Produktart, Funktion und Verwendungszweck,
  • technische Eigenschaften und Leistungsdaten,
  • Einsatz- und Umgebungsbedingungen,
  • mögliche Gefährdungen und sicherheitsrelevante Merkmale,
  • Werkstoffe und konstruktive Ausführung,
  • elektrische, mechanische und drucktechnische Eigenschaften,
  • weitere produktspezifische Parameter.

Die Produktklassifizierung ist von der zolltariflichen Einreihung nach TN VED EAWU zu unterscheiden. Die TN VED EAWU ist die Warennomenklatur der außenwirtschaftlichen Tätigkeit der Eurasischen Wirtschaftsunion und basiert auf dem internationalen Harmonisierten System (HS-Code).

Die technische und regulatorische Einordnung eines Produkts sowie seine zolltarifliche Klassifizierung können miteinander zusammenhängen, sind jedoch nicht identisch. Für die Bestimmung der anwendbaren Technischen Reglements sind insbesondere deren jeweiliger Anwendungsbereich, die Produktfunktion, der Verwendungszweck und die technischen Eigenschaften maßgeblich. Der TN-VED-Code kann dabei ein wichtiges Hilfsmittel sein, reicht allein jedoch nicht immer aus, um die EAC-Zertifizierungs- oder Deklarationspflicht abschließend festzustellen.

Bei Maschinen und industriellen Ausrüstungen ist beispielsweise zu prüfen, ob TR ZU 010/2011 über die Maschinensicherheit anzuwenden ist. Entscheidend sind dabei unter anderem Funktion, Konstruktion und Verwendungszweck.

Bei elektrischen und elektronischen Produkten können mehrere Technische Reglements gleichzeitig relevant sein. Hierzu gehören insbesondere:

Für Geräte und Schutzsysteme, die zur Verwendung in explosionsgefährdeten Bereichen bestimmt sind, kann TR ZU 012/2011 über den Explosionsschutz anzuwenden sein. Maßgeblich sind unter anderem der vorgesehene Einsatzbereich, mögliche explosionsfähige Atmosphären und die Ex-relevanten Eigenschaften des Produkts.

Bei Druckgeräten und druckführenden Ausrüstungen ist die Anwendbarkeit von TR ZU 032/2013 zu prüfen. Soweit das Reglement anwendbar ist, muss gegebenenfalls die entsprechende Druckgerätekategorie bestimmt werden. Hierfür sind insbesondere das Medium, der Druck, das Volumen beziehungsweise die Nennweite sowie weitere technische Parameter relevant. Für eine erste Orientierung steht unser Kategorie-Rechner für Druckgeräte zur Verfügung.

Bei komplexen Maschinen und industriellen Anlagen können mehrere Technische Reglements gleichzeitig anzuwenden sein. Eine Anlage kann beispielsweise elektrische Ausrüstung, druckführende Komponenten oder explosionsgeschützte Geräte enthalten. Deshalb muss die regulatorische Einordnung anhand der konkreten technischen Ausführung und des vorgesehenen Einsatzes erfolgen.

Für eine zuverlässige Produktklassifizierung werden häufig folgende Informationen benötigt:

  • Produktbeschreibung und Verwendungszweck,
  • technische Datenblätter und Spezifikationen,
  • Zeichnungen und Produktabbildungen,
  • elektrische und mechanische Kenndaten,
  • Druck-, Volumen- und Temperaturangaben,
  • Informationen zu Werkstoffen und verwendeten Medien,
  • Angaben zu Einsatz- und Umgebungsbedingungen,
  • vorhandene Prüfberichte und Zertifikate,
  • ein Technischer Pass
  • eine Betriebsanleitung und weitere technische Unterlagen, soweit vorhanden.

Auf dieser Grundlage können die anwendbaren Technischen Reglements, das erforderliche Konformitätsbewertungsverfahren und der Umfang der notwendigen Produktprüfung bestimmt werden. Abhängig vom Produkt und dem vorgesehenen Verfahren können außerdem ein Prüfmuster, zusätzliche technische Nachweise oder bestimmte Prüfungen erforderlich sein.

Die Ergebnisse der Produktklassifizierung bilden zugleich eine wichtige Grundlage für die Zusammenstellung der Technischen Dokumentation und die Festlegung der anwendbaren Anforderungen an die EAC-Kennzeichnung.

Die Produktklassifizierung ist eng mit der Produktidentifikation verbunden. Während die Produktklassifizierung die regulatorische Einordnung und die anwendbaren Anforderungen bestimmt, stellt die Produktidentifikation sicher, dass das konkrete Produkt, Modell oder die jeweilige Ausführung eindeutig den Prüfunterlagen und Konformitätsnachweisen zugeordnet werden kann.

Eine fehlerhafte oder unvollständige Produktklassifizierung kann zur Anwendung eines falschen Technischen Reglements, zur Auswahl eines ungeeigneten Konformitätsbewertungsverfahrens oder zu unzureichenden Prüf- und Dokumentationsanforderungen führen. Besonders problematisch sind unvollständige technische Angaben, nicht berücksichtigte zusätzliche Regelwerke oder eine Einstufung, die ausschließlich anhand des TN-VED-Codes erfolgt.

Eine sorgfältige Produktklassifizierung sollte deshalb bereits zu Beginn eines EAC-Zertifizierungsprojekts durchgeführt werden. Dadurch lassen sich die anwendbaren Vorschriften, das erforderliche Verfahren, der Prüfumfang und die benötigten technischen Unterlagen frühzeitig bestimmen. Dies kann zusätzliche Prüfungen, Kosten und Verzögerungen bei der Konformitätsbewertung vermeiden.

Wir unterstützen Hersteller, Exporteure und Importeure bei der Produktklassifizierung im Rahmen der EAC-Zertifizierung und EAC-Deklaration. Dazu gehören die Analyse der technischen Eigenschaften und des Verwendungszwecks, die Bewertung der anwendbaren Technischen Reglements, die Prüfung der TN-VED-Einreihung sowie die Bestimmung des erforderlichen Konformitätsbewertungsverfahrens. Auf dieser Grundlage können die Erstellung der Technischen Dokumentation, die erforderlichen Prüfungen und weitere regulatorische Schritte gezielt geplant werden.