Akkreditierte Prüfstelle

Eine akkreditierte Prüfstelle ist eine Prüforganisation beziehungsweise ein Prüflabor, dessen fachliche Kompetenz für bestimmte Prüfungen offiziell bestätigt wurde. Im Rahmen der EAC-Zertifizierung und EAC-Konformitätsbewertung innerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) führen akkreditierte Prüflabore insbesondere solche Produktprüfungen durch, für die im jeweiligen Konformitätsbewertungsverfahren entsprechende akkreditierte Prüfungen erforderlich sind.

Die Eurasische Wirtschaftsunion umfasst Russland, Belarus, Kasachstan, Armenien und Kirgisistan. Für zahlreiche Produktgruppen sehen die Technischen Reglements der EAWU (TR EAWU / TR ZU) Produktprüfungen als Bestandteil der Konformitätsbewertung vor. Welche Prüfungen erforderlich sind und welche Anforderungen an das beteiligte Prüflabor gestellt werden, richtet sich nach dem jeweiligen Technischen Reglement, dem Produkt und dem anzuwendenden Konformitätsbewertungsschema.

Entscheidend ist dabei nicht allein, dass ein Prüflabor akkreditiert ist, sondern dass sein Akkreditierungsbereich die konkret erforderlichen Prüfungen abdeckt. Die Akkreditierung bezieht sich auf einen definierten Tätigkeitsbereich und bestätigt die Kompetenz des Labors für die darin aufgeführten Prüfungen und Prüfmethoden.

Bei der Auswahl eines Prüflabors muss deshalb unter anderem geprüft werden:

  • ob die betreffende Produktgruppe vom Akkreditierungsbereich erfasst wird,
  • ob die erforderlichen Prüfungen und Prüfmethoden abgedeckt sind,
  • ob die für das Produkt relevanten technischen Anforderungen berücksichtigt werden können,
  • und ob die Prüfergebnisse für das vorgesehene EAC-Konformitätsbewertungsverfahren verwendet werden können.

Die Prüfungen können auf Grundlage einschlägiger GOST- und anderer innerhalb der EAWU anwendbarer Normen und Prüfmethoden durchgeführt werden. Diese legen beispielsweise Prüfbedingungen, Prüfaufbauten, Messverfahren, Grenzwerte und Bewertungskriterien fest.

Je nach Produkt können akkreditierte Prüflabore unter anderem folgende Prüfungen durchführen:

  • elektrische Sicherheitsprüfungen,
  • Prüfungen zur elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV),
  • mechanische und funktionale Prüfungen,
  • Druck- und Festigkeitsprüfungen,
  • Werkstoff- und Materialprüfungen,
  • Explosionsschutzprüfungen,
  • Temperatur- und Umweltprüfungen,
  • sowie weitere produktspezifische Prüfungen.

Welche Prüfungen erforderlich sind, hängt unmittelbar von den anwendbaren Technischen Reglements ab. Bei elektrischen Produkten können beispielsweise Anforderungen nach TR ZU 004/2011 und TR ZU 020/2011 relevant sein. Für Maschinen können Prüfungen im Zusammenhang mit TR ZU 010/2011, für explosionsgeschützte Produkte nach TR ZU 012/2011 und für bestimmte Druckgeräte nach TR ZU 032/2013 erforderlich sein.

Ein wesentlicher Bestandteil der Laborprüfung ist die eindeutige Identifikation des Prüfmusters. Produktbezeichnung, Typ oder Modell, technische Eigenschaften und weitere Identifikationsmerkmale müssen eine eindeutige Zuordnung der Prüfergebnisse zum bewerteten Produkt ermöglichen.

Die Ergebnisse der durchgeführten Prüfungen werden in Prüfberichten beziehungsweise Prüfprotokollen dokumentiert. Diese können anschließend als Nachweise im Rahmen der EAC-Zertifizierung verwendet werden. Dabei müssen Prüfprotokoll, Prüfmuster und Technische Dokumentation konsistent aufeinander abgestimmt sein.

Akkreditierte Prüfstelle und Zertifizierungsstelle erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das Prüflabor führt die vorgesehenen Prüfungen durch und dokumentiert deren Ergebnisse. Die Zertifizierungsstelle übernimmt bei einer EAC-Zertifizierung die ihr im Konformitätsbewertungsverfahren zugewiesenen Bewertungs- und Zertifizierungsaufgaben. Je nach Verfahren arbeiten beide Stellen deshalb eng zusammen, sind funktional jedoch voneinander zu unterscheiden.

Nicht bei jedem EAC-Konformitätsbewertungsverfahren gelten identische Anforderungen an die Herkunft und Verwendung von Prüfunterlagen. Insbesondere bei EAC-Deklarationen können abhängig vom vorgesehenen Deklarationsschema unterschiedliche Nachweise und Beweismittel zulässig sein. Ob vorhandene Prüfberichte verwendet werden können, muss deshalb immer für das konkrete Produkt und Konformitätsbewertungsverfahren geprüft werden.

Vorhandene CE-Prüfberichte, internationale Prüfberichte oder Herstellerprüfungen können technisch wertvolle Informationen enthalten. Sie ersetzen jedoch nicht automatisch Prüfungen oder Nachweise, die für das jeweilige EAC-Verfahren vorgeschrieben sind.

Eine ungeeignete Auswahl des Prüflabors oder der Prüfmethoden kann dazu führen, dass vorhandene Prüfergebnisse für das vorgesehene Konformitätsbewertungsverfahren nicht oder nur eingeschränkt verwendet werden können. Typische Probleme sind beispielsweise:

  • fehlende Abdeckung der erforderlichen Prüfung im Akkreditierungsbereich,
  • Verwendung ungeeigneter Prüfmethoden,
  • Prüfung eines nicht repräsentativen Prüfmusters,
  • Abweichungen zwischen Prüfmuster und Serienprodukt,
  • inkonsistente Produktbezeichnungen oder technische Daten,
  • sowie unvollständige Prüfunterlagen.

Eine frühzeitige Abstimmung von Produktklassifizierung, anwendbaren Technischen Reglements, Prüfprogramm, Prüfmuster und Prüflabor kann deshalb Wiederholungsprüfungen, zusätzliche Kosten und Verzögerungen im Zertifizierungsverfahren vermeiden.

Ausgewählte Technische Reglements und weitere Unterlagen zu Prüf- und Konformitätsanforderungen finden Sie außerdem in unserem Download-Bereich.

Wir unterstützen Hersteller und Exporteure bei der Auswahl und Koordination geeigneter akkreditierter Prüfstellen im Rahmen der EAC-Zertifizierung und EAC-Konformitätsbewertung. Dazu gehören die Produktklassifizierung, die Bestimmung der anwendbaren Prüfanforderungen, die Abstimmung geeigneter Prüfmuster und Prüfmethoden, die Vorbereitung der Technischen Dokumentation sowie die Koordination mit Prüflaboren und akkreditierten Zertifizierungsstellen.